Benutzerfreundliche Verwendung des Orientation-Features des iPhone

Christian Kruse

Ich sitze gerade in der Realschule Datteln und richte für meinen Vater einen Linux-Server ein. Da es dabei immer wieder zu Wartezeiten kommt (aktuell warte ich darauf, dass 500GB mit 10MB/s kopiert werden), habe ich mir aus Langeweile ein paar „Apps“ angesehen. Dabei ist mir aufgefallen, dass die meisten Programme eine Drehung des iPhone vollständig ignorieren - obwohl eine Unterstützung des Features kaum Mehrarbeit, aber deutlich mehr Benutzerfreundlichkeit bedeutet.

Warum dreht man ein Handheld-Gerät? Um diese Frage zu beantworten, muss man zunächst betrachten, wie genau gedreht wird. Der Standard-Fall dürfte sein, dass das Gerät auf die Seite gedreht wird. Der Beweggrund ist ebenso einfach wie offensichtlich: die Daten (hier im Sinne von beliebigen Inhalten), sind für den Nutzer schwer zu lesen. Er dreht das Gerät also, weil eine breitere Ansicht seiner Meinung nach einfacherer zu lesen ist.

Der weitaus seltenere Fall dürfte sein, dass der Nutzer das Handheld auf den Kopf dreht. Warum? Nun, der einzige Fall, wo das Sinn ergeben kann, ist bei einer graphischen Darstellung: der Nutzer kann in der „normalen“ Porttrait-Ansicht nicht alles erkennen oder er versucht, einen anderen Eindruck von dem Bild zu bekommen. Bei einer reinen Textdarstellung kann ich mir keinen wirklichen Grund vorstellen, warum der Nutzer das Gerät drehen sollte - ich bin aber für Ideen offen!

Nun, wie auch immer: es muss im Sinne eines jeden Programmierers sein, dass seine Applikation möglichst benutzerfreundlich ist, unabhängig vom Zielpublikum: ich kenne niemanden, der sich das Leben und die Arbeit nicht gern vereinfachen lässt. Und da ein Programmierer möchte, dass seine Software von vielen Leuten eingesetzt wird (entweder aus wirtschaftlichen Gründen oder aus idealistischen; das Oder ist nicht exklusiv), muss er wohl oder übel darauf Rücksicht nehmen - und sollte es im Sinne von guter Software auch.

Daraus ergibt sich für mich folgende wünschenswerte Verhaltensweise:

  • Dreht der Nutzer das Telefon auf die Seite, sollte die Ansicht sich verbreitern und mitdrehen, damit man einen besseren Überblick bekommt. Das Paradebeispiel hier wäre wohl die Darstellung von Bildern im Querfomat.
  • Dreht man das Gerät auf den Kopf, ist abhängig von den Daten, was passieren sollte: bei Bildern sollte die Ansicht sich nicht mitdrehen, sondern erhalten bleiben, so dass der Nutzer sich einen anderen Eindruck verschaffen kann. Bei Textdaten sollte die Ansicht sich mitdrehen.

Ausnahmen können natürlich sinnvoll sein; so verwendet die Anwendung „Bloomberg“ die Queransicht, um einen Graphen über den Verlauf der Aktie darzustellen, die man sich gerade ansieht. Aber im allgemeinen sollte Software an diese Verhaltensweise angepasst werden. Dabei spielt die Meinung des Programmierers auch nur eine untergeordnete Rolle: er programmiert die Software normalerweise nicht für sich selber, sondern für die Nutzer.