Buchpreisbindung?

Christian Kruse,

In diesem Semester besuche ich den Programmierkurs 2 bei Herrn W. Patzelt. Da seine Vorlesungen… naja, sagen wir mal, sie sind fragwürdig: auf die Frage, ob es sich lohnen würde, die Vorlesung zu besuchen antwortete der Tutor mit verschränkten Armen vor der Brust: „No comment“ – wenn das nicht alles sagt ;-)

Auf jedenfall wurde uns warm ans Herz gelegt, ein Buch über IA32-ASM zu kaufen. Es standen mehrere zur Auswahl: die Deluxe-Version, eine mittelständische Variante und eine Billig-Version. Wenn man nur die Klausur bestehen will, soll die Billig-Variante und das Tutorium reichen, für diejenigen, die etwas mehr wissen wollen war die Mittelstands-Variante gedacht und für die, die später auch beruflich mit ASM zu tun haben (möchten), sei die Deluxe-Variante gedacht. Dafür sei die auch 100€ teuer.

Ich habe schon auf dem Heimweg darüber nachgedacht, ob ich mir nicht irgendwie die Deluxe-Variante leisten kann (100€ sind eine Stange Geld – das bringt man nicht mal eben so auf. Aber bei Büchern werde ich regelmäßig schwach ;-). Also habe ich, kaum zuhause, Amazon angeschmissen und mir die Kommentare zu den Büchern angesehen. Dabei ist mir aufgefallen: es gibt (gab?) das Assembler-Buch für 15€ (sic!) und die Referenz für 5€, so dass man beide zusammen für 20€ bestellen konnte. Dafür aber gebraucht.

Da ich bei guten Büchern immer schwach werde (ich liebe neue Bücher ;), musste ich das Angebot natürlich wahrnehmen, zumal ich mir sonst die Mittelstands-Variante für 50€ geleistet hätte. Gesagt, getan, direkt bestellt. Die Bücher kamen auch am Freitag pünktlich hier an, doch natürlich war hier mal wieder keiner da ;) Das ist schließlich immer so, wenn Päckchen oder Pakete kommen sollen. Also ist Daniela netterweise am Samstag für mich zur Post gelatscht (ich war noch hundemüde vom Vortag, wo ich erst sehr spät aus Karlsruhe wiedergekommen bin) und hat das Päckchen abgeholt. Ich hatte schon die schlimmsten Befürchtungen, die Bücher sollten schließlich gebraucht sein – wer weiß, in was für einem Zustand die sein würden!

Doch ich musste feststellen: die Bücher sind nicht gebraucht. Mit Sicherheit nicht, sie wurden noch nie geöffnet (man kann bei Büchern erkenne, ob sie bereits längere Zeit geöffnet wurden oder nicht) und die Einbände sind makellos. Einzig ein Stempel Remittende ziert die erste Seite – was auch immer das heissen mag.

Nun stellt sich mir die Frage: warum verkauft man vollständig neue Bücher als gebraucht? Ist das ein Mittel die Buchpreisbindung zu umgehen, also quasi Betrug? Oder was steckt dahinter?

Etwas ähnliches ist mir bei der Buchhandlung an der Uni aufgefallen: dort werden neuwertige Bücher von O'Reilly ohne jeglichen Mangel als „Mangelexemplare“ verkauft. Hier weiss ich allerdings was dahinter steckt. Diese Buchhandlung ist eine Partner-Buchhandlung von O'Reilly und der Verlag schickt wohl regelmäßig „Ladenhüter“ an die Partner-Buchhandlungen, damit sie dort als Mangelexemplar für ein gutes Stück unter dem Preis verkauft werden (TCP/IP Netzwerk-Administration oder DNS und BIND habe ich dort z. B. beide für 12€ bekommen). Also eine vom Verlag beabsichtigte Umgehung der Buchpreisbindung.